Die Klosterheilkunde stellt eines der ganz wenigen Gesundheitskonzepte dar, die sich ganzheitlich nennen dürfen. Denn von alters her - von ihren Anfängen im 6. Jahrhundert bis hin zu ihren modernen Anwendern - beschränkt sie sich nicht nur auf die direkte Behandlung von Krankheiten mittels Heilkräutern und bewährten Therapien, sondern bezieht alle Aspekte des Lebens mit ein. Dabei geht es vor allem um die Fragestellung: Wie sieht ein gutes Leben aus? Tatsächlich behandelt etwa die Hälfte aller Schriften aus der Zeit der Klostermedizin die Erhaltung der Gesundheit, also Prävention.

Johanniskraut im Herbarium des Vitus AuslasserEine genaue Definition des Begriffes Klosterheilkunde gestaltet sich deshalb schwierig, zumal er umgangssprachlich oft synonym mit dem Begriff Klostermedizin verwendet wird. Streng wissenschaftlich gesehen bezeichnet Klostermedizin jedoch nur die eng umspannte Epoche vom 8. bis ins 12. Jahrhundert, als in Europa die medizinische Versorgung fast auschließlich in den Händen der Klöster lag. In dieser Zeit und noch bis ins 13. Jahrhundert wurden dort gezielt Nonnen und Mönche zu Heilkundigen augebildet. Als Klosterheilkunde kann hingegen das gesamte medizinische und pharmazeutische Wissen bezeichnet werden, das in den Klöstern in den vergangenen 1500 Jahren gesammelt, erarbeitet und praktiziert worden ist.

Nach dem Niedergang der Klostermedizin durch das Aufkommen der universitären Medizin, sowie nach der Trennung der Berufe des Arztes und Apothekers durch Kaiser Friedrich II. um das Jahr 1240, verlagerten sich die Klöster mehr und mehr auf die Pharmazie. Die Klosterapotheken entstanden und hatten in der Barockzeit ihre Blüte. Die Klosterheilkunde wurde zum Vorläufer der pharmazeutischen Industrie und wirkte bis ins 19. Jahrhundert - parallel zur Entwicklung der universitären Medizin. Gerade Nonnen als Apothekerinnen hatten eine Vorreiterrolle für das Vordringen der Frauen in anspruchsvolle, professionell betriebene Berufsfelder eingenommen.

Die moderne Klosterheilkunde kann als Verschmelzung dieses traditionellen Wissens mit der rationalen Phytotherapie angesehen werden, wie sie im 20. Jahrundert durch die Pionierarbeiten von Prof. Rudolf Fritz Weiss entstanden ist. Aber erst der oft auch kritisch zu sehende Boom um Hildegard von Bingen verhalf der Klosterheilkunde zu einer wahren Renaissance. Sie nutzt nun die Forschungsergebnisse der modernen Wissenschaft hinsichtlich Wirksamkeit und Unbedenklichkeit von Arzneipflanzen. Aus den überlieferten Texten werden nur die Pflanzen verwendet, die in den Monografien der 1978 gegründeten Kommission E sowie auf europäischer Ebene der ESCOP und seit 2004 durch das HMPC bei der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) anerkannt werden.

Neben der Verwendung von Arzneimitteln beinhaltete die Klosterheilkunde aber schon immer auch weitere Komponenten. So gehören eine Wertschätzung der Schöpfung sowie eine gesunde Ernährung und ideale Lebensweise ebenso untrennbar zu ihr. Denn nicht das Behandeln von Krankheiten, sondern die Erhaltung der Gesundheit von Körper, Geist und Seele ist das zentrale Anliegen der Klosterheilkunde. Lebens- und Arzneimittel sind hierbei eng miteinander verbunden.

"Eure Lebensmittel sollen Eure Heilmittel sein." (Hippokrates von Kos, um 460 bis 370 v. Chr.)

"Erst das Wort, dann die Pflanze, zuletzt das Messer." (Motto von Asklepios, dem griechischen Gott der Heilkunst)

Heilpflanzen

Kapuzinerkresse, Beinwell, Ringelblume

Fasten nach der Klosterheilkunde

„Vom unüberlegten Fasten: Enthalten sich Menschen in übertriebener Weise der Nahrung, dann ereignet es sich manchmal, dass in ihrem Körper gewissermaßen Unwetter auftrete, weil die Elemente, die in ihnen sind, in eine verkehrte Art gebracht werden..." (Hildegard von Bingen in „Causae et curae“)

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